Der Tourismus – aus den Kinderschuhen auf die Überholspur
In den 1950er Jahren änderten sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen in Spanien und Europa. Diese Veränderungen stellten die Weichen für den erneuten Zustrom von Touristen nach Mallorca, der ungeahnte Ausmaße erreichen sollte. Die wichtigsten Impulsgeber waren: die Aufhebung des politischen und wirtschaftlichen Embargos der UNO gegen das faschistische Spanien (1950), die Einrichtung des spanischen Tourismusministeriums (1951), der Wegfall des Visumzwanges für Spanien (1959), der zunehmende Wohlstand in den westeuropäischen Herkunftsländern, mit dem auch die Festsetzung des Rechtes auf bezahlten Urlaub einherging, und die Gründung der ersten Charterfluglinien (1956). Die Aufnahme des Charterflugverkehrs hob die Isolation der Insel, die dem Zentrum Europas ohnehin viel näher liegt als die meisten anderen Mittelmeerinseln oder Regionen wie Andalusien, gänzlich auf. Tiefstpreise für Grundstücke sowie niedrige Lebenshaltungs- und Lohnkosten, die billige Urlaubsangebote ermöglichen, waren in jener Zeit mit Ausnahme von Teilen Frankreichs und Italiens auch allen anderen Mittelmeerregionen eigen.
Die kurze Flugzeit und dadurch niedrigen Flugpreise aber waren das entscheidende Alleinstellungsmerkmal Mallorcas. Sie verschafften der Insel das Privileg von pauschalen Billigstangeboten, die lange Zeit weit unter dem Angebot der Urlaubskonkurrenz im Mittelmeergebiet blieben. Außerdem hatte Mallorca, das sein touristisches Potenzial sehr früh erkannte und zu nutzen wusste, sich bereits in den Vorkriegsjahren eine gewisse Bekanntheit als Urlaubsgebiet erarbeitet. Auch ein Quäntchen Glück fehlte bei der touristischen Vermarktung und Erschließung nicht. Das Bestreben der spanischen Zentralregierung, Devisen zur Industrialisierung des Landes zu erhalten, verhalf der Insel zur umfangreichen staatlichen Förderung ihres Tourismus – so entstanden in der Frühphase Urlaubszentren wie Paguera. Günstige staatliche Kredite bei der Baulandförderung, der Ausbau der Infrastruktur und unterstützende Werbemaßnahmen durch den spanischen Staat halfen frühzeitig, den Weg Mallorcas zum meistbesuchten Badeurlaubsgebiet Europas zu ebnen. Mallorca hatte aber nicht nur einen wichtigen finanziellen und zeitlichen Wettbewerbsvorsprung, sondern durch den regen und flexiblen Unternehmergeist der einheimischen Geschäftsleute auch einen qualitativen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Sommerurlaubsgebieten im Mittelmeer: Sie schnitten ihr touristisches Angebot auf die Ess- und Lebensgewohnheiten in den Herkunftsländern ihrer Urlauber (Großbritannien, Skandinavien, Deutschland) zu. So gibt es heute typisch deutsche Ecken auf Mallorca wie Can Picafort, Cala Ratjada oder die Playa de Palma. Englische Touristen fühlen sich besonders in Palmanova oder Magaluf wohl.
Ein Kommentar zu diesem Beitrag auf im Web ist nicht möglich.

